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Es waren schon gewisse Routinen zu entdecken: Wenn ein Erfolgskonzept bereits das neunte Mal umgesetzt wird, dann weiß der trainierte Besucher, dass er ein wenig früher kommen muss, um vor der Veranstaltung noch einen kleinen Snack abzufassen, den die Abiturienten immer liebevoll vorbereiten und präsentieren.
Er weiß auch, dass die Vernissage davon lebt, dass ihre Besucher auf geführten Pfaden durch die langen Gänge und (in der Summe) über mehr als 300 Treppenstufen strolchen. Dass auf den Podesten der vier Etagen und drei Halbetagen immer neue Klang- und Seherlebnisse für ihn vorbereitet sind, die ihn mit den Arbeitsergebnissen des Musik- und Kunsterziehungsunterrichts vertraut machen. Und dass es auch nach der Veranstaltung manchmal noch nicht gleich aufhört, weil man dann in Ruhe noch ein paar Worte mit den Künstlern wechseln oder die Reste des Buffets vertilgen kann.
Und doch ist jedes Jahr wieder etwas Neues dabei, gibt es Überraschungen, die selbst den Insider verblüffen. In der letzten Woche war dies zum Beispiel die Eröffnung, bei der eine große Treppenhauswand mit der Video-Aufzeichnung von Aktionskunst bespielt wurde, die bei wärmerem Wetter im Stadthallenpark stattgefunden hatte. Die Aussage der jungen Künstlerin, sich mit ihrer persönlichen Erfahrung einbringen zu wollen in die gesellschaftlichen Debatten um Gleichberechtigung und Diskriminierung, war zugleich symptomatisch für viele andere Kunstwerke, die sich mit dem Zustand unserer Welt und Umwelt auseinandersetzen.
Die wohltuend leisen Töne der Instrumentalisten gaben Gelegenheit, das Gehörte über die vielfältigen Beiträge der bildenden Künstler setzen zu lassen. Zarte Gitarrenklänge wechselten mit Querflöten-, Akkordeon- und Keyboard-Sounds.
Was im Gedächtnis bleibt, sind auch zahlreiche Werke, die die Schule selbst zum Gegenstand der künstlerischen Abbildung gemacht haben. Neben Versuchen in expressionistischer Manier und Radierungen von labyrinthisch verwinkelt gesehenen Treppenhäusern beeindruckten vor allem fotografische Arbeiten. Hier gelang es, der Architektur unserer Schule, die wir (theoretisch) jeden Tag (bewusst) wahrnehmen könnten, durch Belebung mit Körpern ganz neue Impressionen abzugewinnen.
Danke für diese neuen Sichtweisen.
Wir sind gespannt, worauf wir uns im nächsten Jahr, bei der Jubiläumsausgabe dieser Veranstaltungsreihe, schon vorfreuen dürfen.
Wolfgang Mohn
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